KNX Busleitung oder Funk – warum das Buskabel bei der Sanierung meist gewinnt
Wer bei einer Sanierung ohnehin Wände öffnet, sollte KNX TP mit Buskabel verlegen. Die Leitung kostet im Verhältnis zur Gesamtanlage fast nichts, ist störungsfrei, versorgt die Geräte gleich mit Spannung und hält Jahrzehnte. KNX RF per Funk ist die richtige Lösung genau dann, wenn eine einzelne Stelle nicht erreichbar ist – nicht als Grundentscheidung für das ganze Haus.
Der KNX Bus ist die gemeinsame Leitung, an der alle Geräte einer KNX-Anlage hängen – Taster, Aktoren, Melder, Panels. Über dieselbe Zweidrahtleitung laufen zwei Dinge gleichzeitig: die Kommunikation der Geräte untereinander und ihre Versorgungsspannung von 30 Volt Gleichstrom. Deshalb braucht ein KNX-Taster keine eigene Stromleitung, sondern nur den Bus.
Das ist der grundlegende Unterschied zu funkbasierten Systemen: Beim Bus ist jedes Gerät dauerhaft versorgt und dauerhaft erreichbar. Es gibt keine Batterien, keine Reichweitenfragen und keine Funkzelle, die ausfällt, wenn ein Repeater stirbt.
Die Frage „Kabel oder Funk“ stellt sich deshalb fast nur im Bestand. Und dort lautet die ehrliche Antwort meistens: Kabel, wo die Wand ohnehin offen ist – Funk nur für die eine Stelle, an die keine Leitung kommt.
Was zum Bus dazugehört
Liefert die 30 Volt und enthält die Drossel, ohne die kein Telegramm läuft. 640 mA reichen für die meisten Einfamilienhäuser, 1.280 mA für größere Anlagen.
IP-Router und IP-InterfaceBringen den Bus ins Netzwerk – für die Programmierung mit der ETS, für Visualisierung und Fernzugriff. Der Router kann zusätzlich Linien koppeln.
LinienkopplerTeilt große Anlagen in Linien und hält den Telegrammverkehr sauber. Im Einfamilienhaus selten nötig, ab etwa 64 Teilnehmern ein Thema.
Sitzen im Verteiler und machen aus dem Telegramm Strom: schalten, dimmen, Rollladen fahren, Heizung regeln.
Hängen nur am Bus, nicht an der Netzspannung. Deshalb lässt sich jede Zuordnung später ändern, ohne eine Wand zu öffnen.
Werden ebenfalls über den Bus versorgt. An der Decke braucht es nur die Busleitung – keine Netzspannung im Deckenauslass.
KNX TP und KNX RF im Vergleich
| KNX TP – Buskabel | KNX RF – Funk | |
|---|---|---|
| Übertragung | Zweidrahtleitung, 9.600 Bit/s | Funk auf 868 MHz |
| Stromversorgung | über den Bus, 30 V DC | Batterie oder separate Zuleitung |
| Störanfälligkeit | praktisch keine | abhängig von Wandaufbau und Umgebung |
| Aufwand | Leitung muss verlegt werden | keine Leitung nötig |
| Wartung | keine Verschleißteile | Batteriewechsel einplanen |
Beide Welten lassen sich über einen Medienkoppler verbinden. Das ist genau der Weg für den Einzelfall: Grundinstallation auf dem Bus, und die eine Stelle, an die keine Leitung kommt, per Funk angebunden.
Welche Leitung KNX braucht – und wie lang sie sein darf
Standard ist die grüne Busleitung J-Y(ST)Y 2x2x0,8. Genutzt wird das rot-schwarze Adernpaar, das zweite Paar bleibt als Reserve liegen. Die grüne Ummantelung ist keine Vorschrift, aber eine sinnvolle Konvention – auf der Baustelle erkennt jeder sofort, dass hier Bus liegt und keine Netzspannung.
Die gesamte Leitungslänge eines Liniensegments. In einem Einfamilienhaus kommt man nicht annähernd heran.
Maximaler Abstand zwischen Spannungsversorgung und dem am weitesten entfernten Teilnehmer.
Maximaler Abstand zwischen zwei beliebigen Teilnehmern derselben Linie.
Dazu kommt die Zahl der Teilnehmer: bis zu 64 Geräte je Liniensegment, mit Linienverstärkern oder Kopplern erweiterbar. Auch das wird erst bei großen Objekten relevant.
So wird der Bus verlegt
Linie, Stern oder Baum sind erlaubt, nur ein geschlossener Ring nicht. In der Praxis führt man den Bus zu jeder Schalterdose und in jeden Verteiler.
Jede Stelle, an der später bedient oder gemessen werden könnte, bekommt eine Dose mit Bus. Nachträglich kostet jede Dose ein Vielfaches.
Die Busleitung darf mit im Installationsrohr liegen. Getrennt geführt ist sie bei späteren Arbeiten aber eindeutig zuzuordnen.
Jede Leitung am Verteiler beschriften. Wer das spart, sucht bei der Inbetriebnahme Stunden.
Die Spannungsversorgung gehört in den Verteiler, an dem die Linie beginnt – mit Reserve für spätere Geräte.
Leitung auf Durchgang und Isolation messen, solange sie noch zugänglich ist. Ein Fehler im Putz ist teuer.
Wann Funk trotzdem richtig ist
Es gibt Situationen, in denen sich das Kabel nicht rechnet: ein einzelner Taster an einer Glaswand, ein Anbau ohne Leerrohr, ein denkmalgeschützter Raum, in dem nicht gestemmt werden darf. Dafür ist KNX RF gemacht.
Die Entscheidung fällt pro Stelle, nicht pro Haus. Wer die Grundinstallation auf dem Bus aufbaut, kann Funk jederzeit ergänzen. Umgekehrt wird es teuer.
- Klingeldraht statt Busleitung – falscher Querschnitt, keine Abschirmung
- Zu wenige Dosen eingeplant – jede nachträgliche Stelle kostet ein Vielfaches
- Das ganze Haus auf Funk geplant, obwohl die Wände ohnehin offen sind
- Spannungsversorgung ohne Reserve – bei der ersten Erweiterung wird es knapp
- Leitungen nicht beschriftet – bei der Inbetriebnahme beginnt die Suche
Häufige Fragen
Technisch funktioniert J-Y(ST)Y – genau das ist die übliche Fernmeldeleitung. Entscheidend sind der Querschnitt von 0,8 mm und die Abschirmung. Klingeldraht ist kein Ersatz.
Die Busleitung ist für Netzspannung isoliert und darf mit im Installationsrohr liegen. Sauberer ist die getrennte Führung, weil spätere Arbeiten dann eindeutig zuzuordnen sind.
Der Bus wird zu jeder Schalterdose und in jeden Verteiler geführt. Wer unsicher ist, legt lieber eine Dose mehr an – nachträglich ist jede zusätzliche Dose ein Vielfaches teurer als die Leitung heute.
Ja. Über einen Medienkoppler hängen KNX RF und KNX TP in derselben Anlage, mit denselben Gruppenadressen und derselben ETS. Ein Funktaster kann einen Aktor im Verteiler schalten.
Es bleibt als Reserve liegen. Wird eine Ader beschädigt, lässt sich auf das zweite Paar ausweichen, ohne neu zu verlegen.
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