Zum Hauptinhalt springen
Bei Problemen im Rahmen der Paypal Zahlung ---->>>

KNX Aktoren – der Ratgeber

KNX Kombiaktor mit 16 Kanälen auf der Hutschiene
KURZ GESAGT

Der Aktor ist das Gerät, das am Ende wirklich schaltet. Er sitzt im Verteiler, hängt am Bus und macht aus einem Telegramm Strom. Welchen Du brauchst, entscheidet nicht die Marke, sondern die Frage, was geschaltet werden soll – und wie viele Kanäle Dein Grundriss ergibt.

Alles, was in einem KNX-Haus passiert – Licht an, Rollladen runter, Heizung wärmer –, passiert an einem Aktor. Der Taster selbst schaltet nichts: Er schickt eine Nachricht auf den Bus, und erst der Aktor macht daraus Strom. Deshalb liegt bei KNX keine geschaltete Leitung mehr zum Schalter, sondern nur die Busleitung.

Das hat eine Folge, die den ganzen Rest erklärt: Welche Taste welchen Verbraucher schaltet, ist Software. Eine Wippe, die heute die Deckenleuchte schaltet, kann morgen die Steckdosenleiste abschalten – ohne dass jemand eine Wand öffnet. Umgekehrt muss die Leitung vom Verbraucher zum Verteiler laufen, denn dort sitzt der Aktor. Das ist die eigentliche Umstellung gegenüber einer konventionellen Installation.

Genau deshalb entstehen hier auch die meisten Fehler. Nicht weil die Geräte kompliziert wären, sondern weil vorher niemand abgezählt hat, was geschaltet werden soll. Wer den Grundriss einmal sauber durchgeht, kauft einmal – wer schätzt, kauft zweimal und hat am Ende zu wenig Platz im Verteiler.

Die Aktortypen im Überblick

Schaltaktor

Ein und aus – Licht ohne Dimmung, Steckdosenkreise, Pumpen, Ventile. Ein Relais je Kanal, ein Kanal je Stromkreis.

Kombiaktor

Schalten und Jalousie in einem Gerät. Spart Platz und Geld, wenn beides im selben Verteiler zusammenläuft.

Jalousieaktor

Rollladen, Jalousie, Markise. Zwei verriegelte Relais je Antrieb, damit auf und ab nie gleichzeitig anliegen.

Heizungsaktor

Stellantriebe der Fußbodenheizung, taktend geregelt. Ein Kanal je Heizkreis, meist mit 24 V oder 230 V Antrieben.

Unterputzaktor

Sitzt in der Dose statt im Verteiler – für Stellen ohne Leitung zur Zentrale, typisch bei Nachrüstung.

Raumcontroller

Licht, Rollladen und Heizung eines Raums in einem Gerät, oft mit Binäreingängen für konventionelle Taster.

Daneben gibt es Sonderfälle, die sich aus der Last ergeben: C-Last-Aktoren für kapazitive Lasten wie viele LED-Netzteile an einem Kanal, Aktoren mit Messfunktion, wenn der Verbrauch je Kreis sichtbar sein soll, und Lüfteraktoren für mehrstufige Ventilatoren. Gedimmt wird nicht über einen Schaltaktor – dafür gibt es eigene KNX Dimmer.

Welcher Aktor für welche Aufgabe?

Das soll geschaltet werdenDas gehört in den VerteilerSo wird gezählt
Deckenleuchte, Spots, SteckdosenkreisSchaltaktorEin Kanal je Stromkreis, nicht je Leuchte
Rollladen, Jalousie, MarkiseJalousieaktorEin Kanal je Behang, zwei Relais intern
Beides im selben VerteilerKombiaktorSchalt- und Jalousiekanäle getrennt zählen
Fußbodenheizung, HeizkörperventileHeizungsaktorEin Kanal je Heizkreis, Antriebsspannung prüfen
Einzelne Stelle ohne Leitung zum VerteilerUnterputzaktorEin Gerät je Dose, Einbautiefe prüfen
Licht dimmenDimmaktor, kein SchaltaktorEin Kanal je dimmbarem Kreis

Die drei Fragen, an denen Aktorik hängt

1Wie viele Kanäle?

Gezählt wird im Grundriss, nicht im Katalog: ein Kanal je Lichtstromkreis, ein Jalousiekanal je Behang, ein Heizkanal je Raum. Fünf Spots an einem Schalter sind ein Kanal.

2Wenige große oder viele kleine?

Bei gleicher Kanalzahl ist ein großes Gerät günstiger und braucht weniger Platz auf der Hutschiene. Trennen lohnt nach Geschossen oder Verteilern – nicht nach Gefühl.

3Was passiert ohne Bus?

Jeder Kanal hat ein definiertes Verhalten bei Busausfall und -wiederkehr. Wer Handbedienung an der Front hat, schaltet auf der Baustelle auch ohne ETS.

Kanäle zählen – Schritt für Schritt

Diese Rechnung entscheidet über den größten Einzelposten der Anlage. Sie dauert eine Stunde am Grundriss und spart im Zweifel einen vierstelligen Betrag.

1Lichtstromkreise markieren

Raum für Raum durchgehen: Was soll gemeinsam geschaltet werden? Jede Gruppe ist ein Kanal. Wandleuchten getrennt von Deckenlicht zählen, wenn sie getrennt bedient werden sollen.

2Behänge zählen

Jedes Fenster mit Antrieb ist ein Jalousiekanal. Zwei Fenster, die immer zusammen fahren, können sich einen Kanal teilen – danach nie wieder getrennt.

3Heizkreise vom Heizungsbauer holen

Die Zahl der Kreise am Verteiler ist die Zahl der Heizkanäle. Ein Raum kann mehrere Kreise haben – die werden gemeinsam geschaltet und zählen trotzdem einzeln.

4Steckdosen und Sonderverbraucher

Was abschaltbar sein soll – Außensteckdosen, Waschmaschine, Ladegeräte – braucht einen eigenen Kanal. Alles andere bleibt konventionell.

520 Prozent Reserve draufrechnen

Ein voller Aktor bedeutet später ein zweites Gerät plus Platz plus Programmierung. Reserve beim ersten Kauf ist immer die günstigere Variante.

6Teilungseinheiten nachmessen

Erst wenn die Geräteliste steht, lässt sich der Verteiler planen. Ein 16-fach Aktor braucht deutlich weniger Platz als zwei 8-fach – aber beide müssen hineinpassen.

Zentral im Verteiler oder dezentral in der Dose?

Der Normalfall bei KNX ist zentral: Alle Aktoren sitzen auf der Hutschiene im Verteiler, von dort geht je Stromkreis eine Leitung zum Verbraucher. Das ist wartungsfreundlich, günstiger je Kanal und macht spätere Änderungen einfach, weil alles an einer Stelle liegt.

Dezentral wird es nur dort, wo keine Leitung zum Verteiler geht. Das ist im Bestand häufig der Fall: Die vorhandene Installation endet in der Schalterdose, und eine neue Leitung würde Stemmarbeiten bedeuten. Dann sitzt ein Unterputzaktor in der Dose, wird über die nachgezogene Busleitung angesprochen und schaltet vor Ort.

Der Preis dafür: höhere Kosten je Kanal, schlechtere Zugänglichkeit im Störfall und begrenzte Leistung. Für zwei oder drei Stellen ist das die richtige Lösung – ein ganzes Haus dezentral aufzubauen ist selten wirtschaftlich.

Die fünf häufigsten Fehler
  • Nach Lampen gezählt statt nach Stromkreisen – der Klassiker, und er kostet richtig Geld
  • Keine Reserve eingeplant – ein voller Aktor bedeutet später ein zweites Gerät plus Platz plus Programmierung
  • Unterputzaktor gewählt, wo eine Leitung zum Verteiler möglich gewesen wäre – teurer und schlechter zugänglich
  • Dimmbares Licht auf einen Schaltaktor gelegt – der kann nur ein und aus
  • Teilungseinheiten im Verteiler nicht nachgemessen – fällt erst beim Einbau auf

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Schalt- und Kombiaktor?

Der Schaltaktor kann nur ein und aus. Der Kombiaktor vereint Schalt- und Jalousiekanäle in einem Gehäuse und spart Platz, wenn beides im selben Verteiler zusammenläuft. Funktional sind die einzelnen Kanäle identisch.

Brauche ich für jeden Raum einen eigenen Aktor?

Im Gegenteil. Aktoren sitzen zentral im Verteiler, ein Gerät versorgt Kanäle im ganzen Haus. Dezentral wird es nur dort, wo keine Leitung zur Zentrale geht – dafür gibt es Unterputzaktoren.

Kann ein Schaltaktor auch dimmen?

Nein. Ein Schaltaktor kennt nur zwei Zustände. Wer dimmen will, braucht einen Dimmaktor, der zur Last passt – und ein Leuchtmittel, das ausdrücklich als dimmbar ausgewiesen ist.

Wozu ist die Handbedienung an der Front gut?

Damit lässt sich auf der Baustelle schalten, bevor ein ETS-Projekt existiert – und im Störfall ohne Laptop. Klingt nach einer Kleinigkeit, ist im Bauablauf Gold wert.

Wie viel Last verträgt ein Kanal?

Typisch 10 oder 16 A je Kanal, entscheidend ist aber die Art der Last. Viele LED-Netzteile an einem Kanal erzeugen hohe Einschaltströme – dafür gibt es C-Last-Aktoren mit entsprechend ausgelegten Relais.

Was passiert bei Busausfall?

Jeder Kanal bekommt in der ETS ein definiertes Verhalten für Busausfall und Busspannungswiederkehr – halten, einschalten, ausschalten. Das gehört zur Inbetriebnahme und wird oft vergessen.

Ratgeber in diesem Bereich

KNX Aktoren erklärt – welcher Aktor wofür

Die Typen im Detail, Kanalrechnung am Grundriss und die Kaufkriterien, die wirklich zählen. Mit Video.

Weiter zum Sortiment

Alle KNX Aktoren im Shop

Schalten, Jalousie, Heizung, Unterputz und Raumcontroller

KNX Grundwissen

Bus, Kosten, Spannungsversorgung und Nachrüstung

Alle Erklärvideos rund um KNX ansehen