KNX Aktoren – der Ratgeber
Der Aktor ist das Gerät, das am Ende wirklich schaltet. Er sitzt im Verteiler, hängt am Bus und macht aus einem Telegramm Strom. Welchen Du brauchst, entscheidet nicht die Marke, sondern die Frage, was geschaltet werden soll – und wie viele Kanäle Dein Grundriss ergibt.
Alles, was in einem KNX-Haus passiert – Licht an, Rollladen runter, Heizung wärmer –, passiert an einem Aktor. Der Taster selbst schaltet nichts: Er schickt eine Nachricht auf den Bus, und erst der Aktor macht daraus Strom. Deshalb liegt bei KNX keine geschaltete Leitung mehr zum Schalter, sondern nur die Busleitung.
Das hat eine Folge, die den ganzen Rest erklärt: Welche Taste welchen Verbraucher schaltet, ist Software. Eine Wippe, die heute die Deckenleuchte schaltet, kann morgen die Steckdosenleiste abschalten – ohne dass jemand eine Wand öffnet. Umgekehrt muss die Leitung vom Verbraucher zum Verteiler laufen, denn dort sitzt der Aktor. Das ist die eigentliche Umstellung gegenüber einer konventionellen Installation.
Genau deshalb entstehen hier auch die meisten Fehler. Nicht weil die Geräte kompliziert wären, sondern weil vorher niemand abgezählt hat, was geschaltet werden soll. Wer den Grundriss einmal sauber durchgeht, kauft einmal – wer schätzt, kauft zweimal und hat am Ende zu wenig Platz im Verteiler.
Die Aktortypen im Überblick
Ein und aus – Licht ohne Dimmung, Steckdosenkreise, Pumpen, Ventile. Ein Relais je Kanal, ein Kanal je Stromkreis.
Schalten und Jalousie in einem Gerät. Spart Platz und Geld, wenn beides im selben Verteiler zusammenläuft.
Rollladen, Jalousie, Markise. Zwei verriegelte Relais je Antrieb, damit auf und ab nie gleichzeitig anliegen.
Stellantriebe der Fußbodenheizung, taktend geregelt. Ein Kanal je Heizkreis, meist mit 24 V oder 230 V Antrieben.
Sitzt in der Dose statt im Verteiler – für Stellen ohne Leitung zur Zentrale, typisch bei Nachrüstung.
Licht, Rollladen und Heizung eines Raums in einem Gerät, oft mit Binäreingängen für konventionelle Taster.
Daneben gibt es Sonderfälle, die sich aus der Last ergeben: C-Last-Aktoren für kapazitive Lasten wie viele LED-Netzteile an einem Kanal, Aktoren mit Messfunktion, wenn der Verbrauch je Kreis sichtbar sein soll, und Lüfteraktoren für mehrstufige Ventilatoren. Gedimmt wird nicht über einen Schaltaktor – dafür gibt es eigene KNX Dimmer.
Welcher Aktor für welche Aufgabe?
| Das soll geschaltet werden | Das gehört in den Verteiler | So wird gezählt |
|---|---|---|
| Deckenleuchte, Spots, Steckdosenkreis | Schaltaktor | Ein Kanal je Stromkreis, nicht je Leuchte |
| Rollladen, Jalousie, Markise | Jalousieaktor | Ein Kanal je Behang, zwei Relais intern |
| Beides im selben Verteiler | Kombiaktor | Schalt- und Jalousiekanäle getrennt zählen |
| Fußbodenheizung, Heizkörperventile | Heizungsaktor | Ein Kanal je Heizkreis, Antriebsspannung prüfen |
| Einzelne Stelle ohne Leitung zum Verteiler | Unterputzaktor | Ein Gerät je Dose, Einbautiefe prüfen |
| Licht dimmen | Dimmaktor, kein Schaltaktor | Ein Kanal je dimmbarem Kreis |
Die drei Fragen, an denen Aktorik hängt
Gezählt wird im Grundriss, nicht im Katalog: ein Kanal je Lichtstromkreis, ein Jalousiekanal je Behang, ein Heizkanal je Raum. Fünf Spots an einem Schalter sind ein Kanal.
Bei gleicher Kanalzahl ist ein großes Gerät günstiger und braucht weniger Platz auf der Hutschiene. Trennen lohnt nach Geschossen oder Verteilern – nicht nach Gefühl.
Jeder Kanal hat ein definiertes Verhalten bei Busausfall und -wiederkehr. Wer Handbedienung an der Front hat, schaltet auf der Baustelle auch ohne ETS.
Kanäle zählen – Schritt für Schritt
Diese Rechnung entscheidet über den größten Einzelposten der Anlage. Sie dauert eine Stunde am Grundriss und spart im Zweifel einen vierstelligen Betrag.
Raum für Raum durchgehen: Was soll gemeinsam geschaltet werden? Jede Gruppe ist ein Kanal. Wandleuchten getrennt von Deckenlicht zählen, wenn sie getrennt bedient werden sollen.
Jedes Fenster mit Antrieb ist ein Jalousiekanal. Zwei Fenster, die immer zusammen fahren, können sich einen Kanal teilen – danach nie wieder getrennt.
Die Zahl der Kreise am Verteiler ist die Zahl der Heizkanäle. Ein Raum kann mehrere Kreise haben – die werden gemeinsam geschaltet und zählen trotzdem einzeln.
Was abschaltbar sein soll – Außensteckdosen, Waschmaschine, Ladegeräte – braucht einen eigenen Kanal. Alles andere bleibt konventionell.
Ein voller Aktor bedeutet später ein zweites Gerät plus Platz plus Programmierung. Reserve beim ersten Kauf ist immer die günstigere Variante.
Erst wenn die Geräteliste steht, lässt sich der Verteiler planen. Ein 16-fach Aktor braucht deutlich weniger Platz als zwei 8-fach – aber beide müssen hineinpassen.
Zentral im Verteiler oder dezentral in der Dose?
Der Normalfall bei KNX ist zentral: Alle Aktoren sitzen auf der Hutschiene im Verteiler, von dort geht je Stromkreis eine Leitung zum Verbraucher. Das ist wartungsfreundlich, günstiger je Kanal und macht spätere Änderungen einfach, weil alles an einer Stelle liegt.
Dezentral wird es nur dort, wo keine Leitung zum Verteiler geht. Das ist im Bestand häufig der Fall: Die vorhandene Installation endet in der Schalterdose, und eine neue Leitung würde Stemmarbeiten bedeuten. Dann sitzt ein Unterputzaktor in der Dose, wird über die nachgezogene Busleitung angesprochen und schaltet vor Ort.
Der Preis dafür: höhere Kosten je Kanal, schlechtere Zugänglichkeit im Störfall und begrenzte Leistung. Für zwei oder drei Stellen ist das die richtige Lösung – ein ganzes Haus dezentral aufzubauen ist selten wirtschaftlich.
- Nach Lampen gezählt statt nach Stromkreisen – der Klassiker, und er kostet richtig Geld
- Keine Reserve eingeplant – ein voller Aktor bedeutet später ein zweites Gerät plus Platz plus Programmierung
- Unterputzaktor gewählt, wo eine Leitung zum Verteiler möglich gewesen wäre – teurer und schlechter zugänglich
- Dimmbares Licht auf einen Schaltaktor gelegt – der kann nur ein und aus
- Teilungseinheiten im Verteiler nicht nachgemessen – fällt erst beim Einbau auf
Häufige Fragen
Der Schaltaktor kann nur ein und aus. Der Kombiaktor vereint Schalt- und Jalousiekanäle in einem Gehäuse und spart Platz, wenn beides im selben Verteiler zusammenläuft. Funktional sind die einzelnen Kanäle identisch.
Im Gegenteil. Aktoren sitzen zentral im Verteiler, ein Gerät versorgt Kanäle im ganzen Haus. Dezentral wird es nur dort, wo keine Leitung zur Zentrale geht – dafür gibt es Unterputzaktoren.
Nein. Ein Schaltaktor kennt nur zwei Zustände. Wer dimmen will, braucht einen Dimmaktor, der zur Last passt – und ein Leuchtmittel, das ausdrücklich als dimmbar ausgewiesen ist.
Damit lässt sich auf der Baustelle schalten, bevor ein ETS-Projekt existiert – und im Störfall ohne Laptop. Klingt nach einer Kleinigkeit, ist im Bauablauf Gold wert.
Typisch 10 oder 16 A je Kanal, entscheidend ist aber die Art der Last. Viele LED-Netzteile an einem Kanal erzeugen hohe Einschaltströme – dafür gibt es C-Last-Aktoren mit entsprechend ausgelegten Relais.
Jeder Kanal bekommt in der ETS ein definiertes Verhalten für Busausfall und Busspannungswiederkehr – halten, einschalten, ausschalten. Das gehört zur Inbetriebnahme und wird oft vergessen.
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