KNX und Home Assistant verbinden
Home Assistant spricht KNX nativ – über KNXnet/IP, also über einen IP-Router oder ein IP-Interface im Verteiler. Was dabei zählt, ist die Aufgabenteilung: Die Anlage muss ohne Home Assistant vollständig funktionieren. Home Assistant kommt obendrauf für Visualisierung, Auswertung und Logik über Systemgrenzen hinweg – nicht als Schaltzentrale, ohne die das Licht ausbleibt.
Die Frage kommt fast täglich: Ich habe Home Assistant, ich will KNX – wie kommt das zusammen? Die technische Antwort ist einfacher, als die meisten erwarten. Home Assistant bringt eine eigene KNX-Anbindung mit, die direkt mit dem Bus spricht. Es braucht keine Brücke, kein zusätzliches Protokoll und keinen Cloud-Dienst dazwischen.
Was es braucht, ist ein Gerät, das den Bus ans Netzwerk bringt. KNX selbst ist eine Zweidrahtleitung mit 9.600 Bit pro Sekunde; Home Assistant läuft auf einem Rechner im LAN. Zwischen beiden sitzt entweder ein IP-Router oder ein IP-Interface. Dieses eine Bauteil ist die ganze Verbindung.
Die schwierigere Frage ist nicht das Wie, sondern das Wieviel: Was soll Home Assistant übernehmen, und was bleibt in der Anlage? Daran entscheidet sich, ob am Ende ein robustes Haus steht oder eines, in dem nach einem Update der Flur dunkel bleibt.
Die Wege in den Bus
IP-Router und IP-InterfaceDas eine Bauteil, das den Bus ans Netzwerk bringt. Der Router erlaubt mehrere gleichzeitige Verbindungen und kann zusätzlich koppeln – richtig, wenn neben Home Assistant auch die ETS und ein Panel zugreifen. Das Interface ist der schlanke Bruder für eine Linie und einen Zugriff.
Für die Programmierung mit der ETS am Laptop. Für Home Assistant nur sinnvoll, wenn der Rechner dauerhaft am Verteiler steht – in der Praxis selten.
LinienkopplerTrennt große Anlagen in Linien und hält den Telegrammverkehr sauber. Ab etwa 64 Teilnehmern ein Thema, darunter nicht.
GatewaysBringen fremde Welten auf den Bus – DALI, Modbus, RS485, Klimaanlagen. Home Assistant sieht sie danach als ganz normale KNX-Adressen.
Kein Weg in den Bus ohne Spannung auf der Leitung. Die Versorgung mit Drossel gehört in jede Anlage, bei größeren Installationen eine je Linie.
Alle SystemgeräteKoppler, Schnittstellen, IR-Emitter – die Bauteile, die keine Funktion schalten, aber ohne die nichts läuft.
Technisch kennt KNXnet/IP zwei Betriebsarten. Beim Tunneling baut Home Assistant eine gezielte Verbindung zum Interface auf – stabil, aber die Zahl gleichzeitiger Tunnel ist begrenzt, oft auf vier oder fünf. Beim Routing hört Home Assistant den Telegrammverkehr per Multicast mit; das braucht einen IP-Router und ein Netzwerk, das Multicast sauber durchlässt. Für ein Einfamilienhaus ist Tunneling der unkompliziertere Weg.
Was wohin gehört
| Aufgabe | Gehört in | Warum |
|---|---|---|
| Licht schalten und dimmen am Taster | KNX | Muss funktionieren, auch wenn der Server aus ist |
| Beschattung nach Sonnenstand | KNX | Zeitkritisch, läuft autark im Aktor oder in der Wetterstation |
| Einzelraumregelung Heizung | KNX | Der Regelkreis gehört zum Gerät, nicht ins Netzwerk |
| Sollwerte, Zeitpläne, Abwesenheit | Home Assistant | Ändert sich oft, soll bequem einstellbar sein |
| Visualisierung und Auswertung | Home Assistant | Dafür ist es gebaut, das kann KNX nicht besser |
| Logik über Systemgrenzen | Home Assistant | Wallbox, Wechselrichter, Staubsauger sprechen kein KNX |
Die drei Fragen vor dem Aufbau
Der ehrlichste Test der ganzen Planung. Geht dann noch Licht an, fährt die Beschattung, heizt das Haus? Wenn nicht, liegt zu viel in Home Assistant.
Eine Linie und ein Zugriff: Interface. Mehrere Linien, oder ETS und Panel und Home Assistant gleichzeitig: Router. Die Zahl der Tunnel steht im Datenblatt und wird gern übersehen.
Home Assistant kennt keine Geräte, nur Adressen. Ändert sich in der ETS etwas, muss es hier nachgezogen werden. Ein exportiertes ETS-Projekt hilft, ersetzt die Disziplin aber nicht.
Schritt für Schritt zur Verbindung
IP-Router oder Interface auf die Hutschiene, Busklemme dran, Netzwerkkabel dran. Feste IP vergeben, keine wechselnde aus dem DHCP.
Erst wenn die ETS über das Gerät auf den Bus kommt, lohnt der nächste Schritt. Geht es dort nicht, liegt es nicht an Home Assistant.
Home Assistant kann die Projektdatei einlesen und kennt danach Gruppenadressen samt Datentypen. Das spart das Abtippen und die häufigste Fehlerquelle.
Ein Prozentwert als Schaltbefehl gelesen ergibt Unsinn. Der Datenpunkttyp muss auf beiden Seiten derselbe sein – hier entstehen die merkwürdigen Fehler.
Nicht nur senden, auch lesen: Jede Funktion braucht ihre Status-Adresse, sonst zeigt die Oberfläche etwas anderes an als die Wand.
Sobald die Anlage aus dem Internet erreichbar sein soll, gehört das über VPN gelöst. Ein offener Port zum Bus ist keine gute Idee.
Heizung und Lüftung – das lohnendste Beispiel
An der Heizung zeigt sich die Arbeitsteilung am deutlichsten. Der Regelkreis gehört in die Anlage: Ein Raumtemperaturregler im Taster misst, ein Heizungsaktor taktet die Stellantriebe. Das läuft ohne Netzwerk, ohne Server, jahrzehntelang.
Was Home Assistant beiträgt, ist die Ebene darüber: Sollwerte je Raum nach Tageszeit, Absenkung bei Abwesenheit, Fenster auf und Heizkreis zu, und vor allem die Auswertung – welcher Raum verbraucht wieviel, wo läuft die Regelung gegen ein offenes Fenster. Diese Dinge ändert man häufig, und genau dafür ist eine Oberfläche besser als ein ETS-Download.
Bei der Lüftung dasselbe Muster: Die Lüftungssteuerung läuft auf dem Bus, die CO²- und Feuchtewerte kommen aus den Tastern mit Sensorik oder den Sensoren. Home Assistant entscheidet dann, ob heute gelüftet wird, weil draußen die Luft besser ist als drinnen – eine Information, die der Bus nicht hat.
- Grundfunktionen in Home Assistant gelegt – nach dem nächsten Update bleibt der Flur dunkel
- Wechselnde IP-Adresse für die Schnittstelle – die Verbindung bricht ohne erkennbaren Grund ab
- Zahl der möglichen Tunnel übersehen – ETS kommt nicht mehr drauf, wenn Panel und Server belegt sind
- Datenpunkttypen geraten statt aus der ETS übernommen – Werte stimmen scheinbar zufällig nicht
- Keine Status-Adressen angelegt – die Oberfläche zeigt einen Zustand, den es nicht gibt
Häufige Fragen
Ja. KNX-Geräte werden mit der ETS parametriert, daran führt kein Weg vorbei. Home Assistant liest und schreibt nur Gruppenadressen – es kann keinen Aktor konfigurieren.
Wenn die Planung stimmt, ja – und das ist der entscheidende Punkt. Taster, Aktoren, Melder und Regelung arbeiten direkt miteinander. Verloren gehen nur Visualisierung und die Automatisierungen, die Du bewusst dorthin gelegt hast.
Für eine Linie mit einem Zugriff reicht das Interface. Sobald mehrere Systeme gleichzeitig auf den Bus wollen oder die Anlage in Linien geteilt ist, lohnt der Router. Er kostet mehr und kann dafür beides.
Ja, die Projektdatei lässt sich einlesen. Home Assistant kennt danach die Gruppenadressen mit ihren Datentypen. Das erspart das Abtippen und verhindert die meisten Zahlendreher.
Im lokalen Netz spricht KNXnet/IP unverschlüsselt, sofern kein KNX Secure eingesetzt wird. Deshalb gehört der Bus nicht ins Gästenetz und erst recht nicht offen ins Internet. Fernzugriff löst man über VPN.
Genau dann besonders. Home Assistant ist stark in Oberfläche und Logik, aber es ist Software auf einem Rechner. KNX ist die Verkabelung darunter, die auch in zwanzig Jahren noch schaltet. Die Kombination nimmt von beidem das Bessere.
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