KNX Eingänge – der Ratgeber
Eingänge bringen alles auf den Bus, was selbst kein KNX spricht: konventionelle Taster, Fensterkontakte, Wassermelder, Zählerimpulse, Temperaturfühler. Sie sind der günstigste Weg, eine Anlage zu erweitern – und der wichtigste Baustein jeder Nachrüstung.
Ratgeber aus dieser Rubrik
Wann der KNX Binäreingang UP in der Dose reicht: Melder, Fenster, Taster und Kanäle prüfen.
Nur potentialfreie Kontakte am REG: keine Fremdspannung, Kanäle und Reserve im Verteiler planen.
Konventionelle Taster in der Dose ans KNX: Nachrüstung ohne Stemmen, klar getrennt vom USB-Interface.
Ein Binäreingang macht aus einem potentialfreien Kontakt ein Telegramm. Ob dahinter ein 5-Euro-Taster, ein Reedkontakt am Fenster oder der Impulsausgang eines Wasserzählers hängt, ist dem Bus egal. Genau deshalb sind Eingänge in der Praxis so wirkungsvoll: Sie kosten wenig, brauchen keinen eigenen Platz in der Bedienung und erschließen Informationen, die sonst verloren gehen.
Technisch legt der Eingang eine kleine Spannung an den angeschlossenen Kontakt und prüft, ob der Stromkreis geschlossen ist. Mehr passiert nicht – und genau daraus folgt die wichtigste Regel: An einen Binäreingang gehört ein potentialfreier Kontakt, keine Fremdspannung. Wer 230 V auf einen solchen Eingang legt, zerstört das Gerät.
Der Unterschied zwischen einem Binäreingang und einer Tasterschnittstelle ist dabei weniger technisch als örtlich: Der Binäreingang sitzt im Verteiler und sammelt viele Kontakte zentral, die Tasterschnittstelle sitzt in der Schalterdose hinter dem vorhandenen Schalter. Beide erzeugen dasselbe Telegramm.
Die Eingangstypen im Überblick
BinäreingangPotentialfreie Kontakte auf den Bus – Fenster, Taster, Alarmmeldungen, Zählerimpulse. Das Arbeitspferd im Verteiler.
TasterschnittstelleSitzt in der Schalterdose und macht aus vorhandenen Tastern KNX-Bedienstellen. Der Schlüssel jeder Nachrüstung.
Kompakte Geräte für die Dose, wenn keine Leitung zum Verteiler mehr geht – typisch im Bestand.
Viele Kanäle auf der Hutschiene – die günstigste Variante je Kontakt, wenn die Leitungen ohnehin zentral zusammenlaufen.
AnalogeingangFür Messwerte statt Zustände: Temperatur, Feuchte, Füllstand, 0–10 V. Liefert Zahlen, nicht nur auf und zu.
Häufig sitzen Eingänge auch dort, wo man sie nicht sucht: Viele Unterputzaktoren bringen vier bis sechs Binäreingänge mit, ebenso viele Raumcontroller und manche Präsenzmelder. Wer diese Eingänge in der Planung mitzählt, spart sich oft ein eigenes Gerät.
Was soll erfasst werden?
| Das soll auf den Bus | Passendes Gerät | Worauf achten |
|---|---|---|
| Vorhandener konventioneller Taster | Tasterschnittstelle in der Dose | Platz hinter dem Schalter, Busleitung bis dorthin |
| Fensterkontakte, Türkontakte | Binäreingang im Verteiler | Reserve einplanen, Leitungslänge beachten |
| Wassermelder, Alarmkontakt | Binäreingang | Ruhestrom- oder Arbeitsstromprinzip klären |
| Zählerimpulse Wasser, Gas, Strom | Binäreingang mit Zählfunktion | Impulswertigkeit des Zählers prüfen |
| Temperatur, Feuchte, Füllstand | Analogeingang | Fühlertyp muss zum Eingang passen |
| Einzelne Stelle ohne Leitung zum Verteiler | Eingang Unterputz | Einbautiefe der Dose prüfen |
Die drei Fragen vor dem Kauf
Liegt eine Leitung zum Verteiler, ist der Hutschienen-Eingang je Kanal deutlich günstiger. Ist keine da, löst die Unterputz-Variante das Problem, ohne dass gestemmt wird.
Ein Binäreingang kennt nur auf und zu. Sobald es um Temperatur, Feuchte oder Füllstand geht, braucht es einen Analogeingang oder einen Sensor mit eigener Busanbindung.
Binäreingänge arbeiten mit Kleinspannung und haben eine begrenzte Leitungslänge je Kanal. Bei langen Wegen gehört der Eingang näher an den Kontakt statt in den Hauptverteiler.
Eingänge planen – Schritt für Schritt
Eingänge sind der billigste Teil einer Anlage und derjenige, an dem am häufigsten gespart wird – mit den teuersten Folgen, weil jede Nachrüstung ein neues Gerät bedeutet.
Alles durchgehen, was einen Zustand meldet: Fenster, Türen, Garagentor, Wassermelder, Zähler, vorhandene Taster. Die Liste wird länger als erwartet.
Unterputzaktoren, Raumcontroller und manche Präsenzmelder bringen Eingänge mit. Die gehören in die Rechnung, bevor ein eigenes Gerät gekauft wird.
Kurze Wege zum Kontakt, nicht der kürzeste Weg zum Verteiler. Ein Eingang in der Nähe ist störsicherer als 40 Meter Steuerleitung.
Jeder angeschlossene Kontakt muss potentialfrei sein. Wo das nicht gegeben ist, gehört ein Koppelrelais dazwischen.
Der Aufpreis von 6 auf 8 Kanäle ist minimal, ein zweites Gerät später kostet Platz, Geld und Programmierung. Hier lohnt sich Großzügigkeit wie sonst nirgends.
Zwölf gleiche Adernpaare im Verteiler ohne Beschriftung kosten bei der Inbetriebnahme mehr Zeit als das ganze Gerät.
Binäreingang oder Tasterschnittstelle?
Beide machen dasselbe: Sie werten einen potentialfreien Kontakt aus und senden ein Telegramm. Der Unterschied ist der Einbauort – und daraus folgt alles Weitere.
Der Binäreingang auf der Hutschiene sammelt viele Kontakte an einer Stelle. Je Kanal ist er deutlich günstiger, alle Anschlüsse liegen zusammen, und bei einer Störung schaut man an einer Stelle nach. Voraussetzung: Die Leitungen vom Kontakt müssen bis in den Verteiler laufen. Im Neubau ist das eine Frage der Planung, im Bestand meist unmöglich.
Die Tasterschnittstelle sitzt in der Schalterdose hinter dem vorhandenen Taster. Sie braucht dort nur die Busleitung und wertet die kurzen Adern zum Schalter aus. Das macht sie zum entscheidenden Bauteil jeder Nachrüstung: Der vorhandene Schalter bleibt, die geschaltete Ader wird stillgelegt, und die Anlage bekommt ohne Stemmarbeiten eine Bedienstelle. Je Kanal ist sie teurer – bei zwei oder vier Kontakten spielt das keine Rolle.
- Keine Reservekanäle eingeplant – jeder spätere Fensterkontakt kostet ein neues Gerät
- Tasterschnittstelle gekauft, obwohl eine Leitung in den Verteiler vorhanden war
- Fremdspannung auf einen Binäreingang gelegt, der nur potentialfreie Kontakte verträgt
- Zulässige Leitungslänge ignoriert – Störungen, die niemand mehr zuordnen kann
- Eingänge in vorhandenen Aktoren übersehen und ein zusätzliches Gerät gekauft
Häufige Fragen
Funktional wenig, örtlich viel. Der Binäreingang sitzt auf der Hutschiene und sammelt viele Kontakte zentral, die Tasterschnittstelle sitzt in der Schalterdose hinter dem vorhandenen Taster. Für Neubauten ist der Verteiler günstiger, für Nachrüstungen die Dose praktischer.
Ja – über eine Tasterschnittstelle oder einen Binäreingang. Der Schalter wird dabei potentialfrei ausgewertet und schaltet keinen Strom mehr; das übernimmt der Aktor.
Meist ja, nur für anderes: Fensterkontakte, Wassermelder, Garagentor, Zählerimpulse. Diese Informationen kommen nicht über den Taster ins System.
Der Kontakt darf keine eigene Spannung führen, sondern nur schließen und öffnen – wie ein einfacher Schalter ohne Anschluss ans Netz. Der Eingang liefert die Prüfspannung selbst. Liegt am Kontakt Fremdspannung an, gehört ein Koppelrelais dazwischen.
Ja, viele Geräte haben dafür eine eigene Zählfunktion. Wichtig ist die Impulswertigkeit des Zählers – etwa ein Impuls je Liter oder je Kilowattstunde –, damit die Werte auf dem Bus stimmen.
Das steht im Datenblatt und liegt je nach Gerät typischerweise im Bereich einiger Dutzend Meter. Bei längeren Wegen häufen sich Fehlauslösungen durch eingekoppelte Störungen – dann gehört der Eingang näher an den Kontakt.
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