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KNX nachrüsten im Altbau – was ohne Stemmen geht

KURZ GESAGT

KNX im Bestand scheitert selten an der Technik, sondern an zwei Fragen: Komme ich an eine Busleitung heran, und habe ich Platz im Verteiler? Wo eine Leitung geht, ist verkabeltes KNX immer die bessere Wahl. Wo keine geht, gibt es KNX RF per Funk und dezentrale Aktoren, die hinter dem Schalter oder in der Deckendose sitzen. Der ehrlichste Zeitpunkt ist der, an dem ohnehin renoviert wird.

Dezentrales KNX – günstiger und einfacher nachrüsten

Die meisten Anfragen zum Altbau beginnen mit dem Satz „Wir wollen nicht alles aufreißen“. Das muss man auch nicht. KNX lässt sich raumweise einführen, und vieles, was im Neubau zentral im Verteiler sitzt, passt im Bestand auch in die Dose hinter dem Schalter.

Entscheidend ist, dass am Anfang ein Plan steht, der alles zusammenhält. Sonst entstehen zwei Anlagen nebeneinander – eine verkabelte und eine gefunkte –, die sich nie richtig verstehen.

Die Bausteine für den Bestand

4-fach KNX Unterputz Kombiaktor von SeawinUnterputzaktoren

Sitzen hinter dem Taster oder in der Deckendose. Sie brauchen die Busleitung, aber keinen Weg zum Verteiler.

3-fach KNX Binäreingang von OptimusBinäreingänge

Machen vorhandene Schalter und Kontakte KNX-fähig. Der alte Schalter bleibt, gesendet wird ein Telegramm.

24-fach KNX Kombiaktor von SeawinAktoren für die Beschattung

Rollladenantriebe sind meist schon zum Verteiler verdrahtet – der einfachste Einstieg in KNX.

4 Zoll KNX Taster mit Touch Display von LETOURTaster mit Display

Ein Taster kann viele Funktionen tragen. Im Bestand heißt das: weniger Dosen, mehr Bedienung.

Mini KNX Bewegungsmelder 4 in 1 von SeawinKompakte Melder

Passen in die vorhandene Deckendose und ersetzen im Flur den Schalter ganz.

KNX IP Router von SATIONIP-Router

Verbindet mehrere Bereiche über das vorhandene Netzwerk, wenn keine Busleitung zwischen den Geschossen liegt.

Die drei Situationen im Bestand

1Kernsanierung mit offenen Wänden

Technisch identisch mit einem Neubau: Busleitung zu jeder Bedienstelle, Verbraucher sternförmig zum Verteiler. Wer hier über Funk nachdenkt, spart am falschen Ende.

2Renovierung einzelner Räume

Der häufigste Fall. Wo die Wand ohnehin offen ist, kommt die Busleitung mit. Räume ohne Baustelle bekommen vorerst Funk oder bleiben konventionell.

3Bewohnt, nichts wird geöffnet

Hier geht KNX nur über Funk und über das, was in vorhandene Dosen passt. Das funktioniert, ist aber eine Zwischenlösung.

Kabel, Funk oder dezentral – der Vergleich

WegVoraussetzungGeeignet für
Verkabeltes KNXBusleitung zur Bedienstelle, Leitung zum VerteilerKernsanierung, offene Wände
Dezentrale UnterputzaktorenBusleitung zur Dose, kein Weg zum VerteilerRäume ohne Sternverkabelung
KNX RF per Funkkeine Leitung, Medienkoppler zur Anlageeinzelne unerreichbare Stellen
Binäreingang hinter altem SchalterPlatz in der Dose, Busleitungvorhandene Schalter weiterverwenden

Der Verteiler ist oft das eigentliche Nadelöhr

KNX-Aktoren sitzen auf der Hutschiene. Ein alter Zählerschrank aus den Siebzigern hat dafür selten Platz – und wenn doch, fehlt meist der Platz für die Leitungen, die dort ankommen müssten. In vielen Bestandsprojekten ist der neue Verteiler der größte Einzelposten, nicht die KNX-Technik.

Deshalb ist die erste Frage bei jeder Nachrüstung nicht „welche Geräte“, sondern: Wie viele Teilungseinheiten sind frei, und wie viele Adern kommen dort an?

Womit man anfängt

Der sinnvollste Einstieg ist die Beschattung. Rollladenantriebe sind meist schon vorhanden und zum Verteiler verkabelt, ein Jalousieaktor ersetzt die alten Schalter, und der Nutzen ist ab dem ersten Tag spürbar. Danach kommt meist die Heizung, weil dort der größte Effekt liegt und Stellantriebe ohnehin getauscht werden.

Licht ist dagegen der aufwendigste Teil im Bestand, weil dort die Sternverkabelung fehlt. Es ist deshalb nicht der Einstieg, sondern das, was man beim nächsten Raum mitnimmt.

Wo im Bestand oft doch eine Leitung durchgeht
  • Leere Schalterdosen und alte Wechselschalterleitungen
  • Kabelkanäle, Sockelleisten und abgehängte Decken
  • Leerrohre, die beim Bau vorsorglich gelegt wurden
  • Der Weg vom Verteiler zum ersten Raum – von dort weiter dezentral oder per Funk
  • Bei einem neuen Bodenbelag: die Leitung wandert unter dem Estrich mit

Häufige Fragen

Kann ich klein anfangen und später erweitern?

Ja, das ist bei KNX der Normalfall. Wichtig ist nur, dass Spannungsversorgung und Verteilerplatz von Anfang an Reserve haben. Geräte kann man jederzeit nachrüsten, Platz und Leitungen nicht.

Lässt sich Funk später durch Kabel ersetzen?

Ja, und das ist der Vorteil von KNX RF gegenüber geschlossenen Funksystemen. Die Gruppenadressen bleiben, nur Gerät und Medium wechseln. Das Projekt in der ETS wächst mit, statt neu zu entstehen.

Brauche ich die ETS auch für eine kleine Nachrüstung?

Ja. KNX-Geräte tun ohne Projekt nichts, unabhängig von der Größe. Wer nur wenige Geräte einbindet, kommt mit einer kleinen ETS-Lizenz aus – oder lässt programmieren und behält das Projekt.

Kann ich meine alten Schalter behalten?

Oft ja. Ein Binäreingang hinter dem Schalter macht daraus einen KNX-Sensor. Das Schalterprogramm bleibt, geschaltet wird über den Bus.

Lohnt sich KNX im Bestand überhaupt?

Das hängt am Zeithorizont. Wer für zwei Jahre eine Mietwohnung ausstattet, ist mit einem einfachen System besser bedient. Wer im eigenen Haus renoviert und lange dort wohnt, baut mit KNX etwas, das keinen Herstellerwechsel und keine abgeschaltete App kennt.

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