KNX Spannungsversorgung auswählen – 640 oder 1.280 mA?
Die Spannungsversorgung ist das Herz jeder KNX-Anlage: Ohne sie passiert auf dem Bus gar nichts. Sie liefert 30 Volt und enthält eine Drossel, die die Telegramme erst möglich macht – ein normales Netzteil kann das nicht ersetzen. Die Größe richtet sich nach der Zahl der Busteilnehmer, und weil der Preisunterschied im Verhältnis zur Gesamtanlage klein ist, fährt man mit der größeren Variante fast immer besser.
Auf der Busleitung liegen zwei Dinge gleichzeitig: die Versorgungsspannung für die Geräte und die Telegramme, mit denen sie reden. Damit sich beides nicht gegenseitig kurzschließt, sitzt in der KNX-Spannungsversorgung eine Drossel. Sie lässt die Gleichspannung durch und blockt die Signalanteile ab.
Ein Labornetzteil mit 30 Volt hätte diese Drossel nicht. Die Geräte wären versorgt, aber die Kommunikation wäre tot. Deshalb ist dieses eine Bauteil der Grund, warum es ein KNX-Gerät sein muss.
Die Geräte rund um die Versorgung
Spannungsversorgung 640 mAReicht für die meisten Einfamilienhäuser mit Luft – bis etwa 40 Busteilnehmer.
Dieselbe Leistungsklasse in kompakter Bauform, wenn im Verteiler jede Teilungseinheit zählt.
Für große Anlagen und alle, die absehbar erweitern. Der Aufpreis ist im Verhältnis zur Anlage klein.
LinienkopplerAb 64 Teilnehmern kommt eine zweite Linie – und hinter jedem Koppler eine eigene Spannungsversorgung.
Ein Aktor zählt als ein Busteilnehmer – egal wie viele Kanäle er hat. Ein 16-fach-Aktor ist ein Gerät am Bus.
Wie viel Strom die Anlage braucht
Jeder Busteilnehmer zieht Strom vom Bus. Der Richtwert liegt bei rund 10 mA pro Gerät; manche Taster mit Display und manche Melder brauchen mehr, viele Aktoren weniger, weil sie ihre Leistung aus dem Netz nehmen und nur die Buselektronik versorgen.
| Anlage | Empfehlung | Hinweis |
|---|---|---|
| bis etwa 40 Busteilnehmer | 640 mA | reicht mit Reserve |
| über 40 Teilnehmer oder geplante Erweiterung | 1.280 mA | die sichere Wahl |
| viele Displays und Melder | 1.280 mA | diese Geräte ziehen mehr als 10 mA |
| über 64 Teilnehmer in einer Linie | zweite Linie mit eigener Versorgung | Linienkoppler oder Verstärker nötig |
So wählst Du die richtige Versorgung
Jedes Gerät am Bus einmal – Aktoren, Taster, Melder, Schnittstellen. Kanäle zählen nicht.
Displays und Melder im Datenblatt nachsehen. Sie verschieben die Rechnung am stärksten.
Im Zweifel die größere Variante. Die zu kleine merkt man nicht bei der Inbetriebnahme, sondern zwei Jahre später.
Über 64 Teilnehmer wird geteilt. Jede Linie bekommt ihre eigene Versorgung.
Für normale Anlagen die Variante mit integrierter Drossel. Ohne Drossel braucht es ein Zusatzbauteil.
Breite in Teilungseinheiten gegen den freien Platz halten – vor dem Kauf, nicht beim Einbau.
Warum die größere fast immer die richtige ist
Der Unterschied zwischen 640 und 1.280 mA macht bei einer kompletten Anlage einen Bruchteil der Gesamtsumme aus. Der Unterschied im Ärger ist größer: Eine zu knapp gewählte Versorgung merkt man nicht am Tag der Inbetriebnahme, sondern später, wenn neue Geräte dazukommen und die Anlage anfängt, sich seltsam zu verhalten.
Eine KNX-Linie trägt bis zu 64 Teilnehmer. Wer darüber hinaus will, setzt Linienverstärker oder Linienkoppler ein – und jedes dieser Segmente braucht eine eigene Spannungsversorgung. Eine große Versorgung ersetzt also keine zweite Linie. Beides hat einen eigenen Grund.
- Normales 30-V-Netzteil statt KNX-Spannungsversorgung – ohne Drossel keine Kommunikation
- Kanäle statt Geräte gezählt – die Rechnung wird viel zu groß oder viel zu klein
- Displays und Melder mit 10 mA gerechnet – sie ziehen oft deutlich mehr
- Zweite Linie geplant, aber die zweite Versorgung vergessen
- Ohne Reserve gekauft – bei der ersten Erweiterung beginnt die Fehlersuche
Häufige Fragen
Im Einfamilienhaus ist das kein Thema: Jede Linie bekommt eine Versorgung. Die KNX-Richtlinien erlauben höchstens zwei Versorgungen je Liniensegment und nur mit einem Mindestabstand von 200 Metern Leitung – mehr Strom löst man mit einem größeren Gerät oder einer weiteren Linie.
An sporadischen Aussetzern: Telegramme kommen verzögert an, einzelne Geräte reagieren zeitweise nicht, nach dem Zuschalten vieler Geräte wird es schlechter. Genau diese Fehler sind am schwersten zu finden – deshalb die Reserve.
Sie gehört dorthin, wo die Linie liegt, die sie versorgt. Bei einem Einfamilienhaus mit einem Verteiler ist das der Hauptverteiler. Bei mehreren Unterverteilern folgt sie der Linienstruktur, nicht dem Gebäudeplan.
Manche Geräte haben einen zweiten, ungedrosselten Ausgang. Damit lässt sich zum Beispiel ein Gerät mit zusätzlichem Bedarf versorgen. Für die Versorgung einer zweiten Linie braucht es trotzdem eine eigene, gedrosselte Versorgung.
KNX-Anlagen sind auf Jahrzehnte ausgelegt. Eine ausreichend dimensionierte Versorgung, die nicht dauerhaft an der Grenze läuft, gehört zu den Geräten, die man einbaut und vergisst.
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